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Was bedeutet thesaurierend? ETF-Begriffe ohne Fachchinesisch

Was bedeutet thesaurierend bei ETFs? Entdecke den Unterschied zu ausschüttenden Fonds, den enormen Zinseszinseffekt und die Steuern – ohne Finanz-Jargon.

Was bedeutet thesaurierend? ETF-Begriffe ohne Fachchinesisch

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Exchange Traded Funds (ETFs) und allgemeiner Vermögensanlage an der Börse beschäftigt, betritt oftmals eine Welt voller Abkürzungen, Anglizismen und scheinbar undurchdringlicher Fachbegriffe. Eines der ersten Worte, über das nahezu jeder angehende Investor stolpert, klingt eher nach einer prähistorischen Dinosaurierart als nach moderner Finanzmathematik: Thesaurierend.

Du bist hier genau richtig, wenn du dich schon immer gefragt hast: Was bedeutet thesaurierend eigentlich genau? Und was ist der Unterschied zu einem ausschüttenden ETF? In diesem sehr ausführlichen und komplett auf Fachchinesisch verzichtenden Artikel entschlüsseln wir nicht nur das Geheimnis hinter Thesaurierung, sondern klären auch die Frage, warum diese spezielle Eigenschaft der absolute Turbo für deinen langfristigen Vermögensaufbau und den sogenannten Zinseszinseffekt ist. Wir nehmen dich Schritt für Schritt an die Hand, um Licht in den Dschungel der ETF-Begriffe zu bringen – so einfach und verständlich wie noch nie.

Schritt 1: Kurzer Rückblick – Was ist ein ETF eigentlich?

Bevor wir uns dem Kernthema “thesaurierend” zuwenden, müssen wir ganz kurz auffrischen, was ein ETF überhaupt darstellt. Nur so wird die Mechanik dahinter logisch nachvollziehbar.

Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Indexfonds. Stell dir einen Index (wie den DAX in Deutschland oder den MSCI World weltweit) wie einen gigantischen, standardisierten Korb vor, in dem die Aktien verschiedener Unternehmen liegen. Der MSCI World beinhaltet beispielsweise Anteile von rund 1.500 der größten Unternehmen aus den Industriestaaten rund um den Globus – von Apple über Microsoft bis hin zu Nestlé oder Toyota.

Wenn du nun Anteile an einem MSCI World ETF kaufst, kaufst du im Grunde genommen einen winzig kleinen Anteil an diesem gesamten Korb. Du beteiligst dich mit einem einzigen Knopfdruck bei deinem Depotanbieter an 1.500 Unternehmen gleichzeitig. Das minimiert dein Risiko (die sogenannte “Streuung” oder “Diversifikation”), da es nicht so schlimm ist, wenn ein Unternehmen pleitegeht, solange die anderen 1.499 weiter wachsen.

Hier kommt nun der Clou: Viele dieser Unternehmen in deinem ETF-Korb erwirtschaften echte Gewinne. Um ihre Aktionäre (und somit auch deinen ETF) an diesem Erfolg zu beteiligen, zahlen sie regelmäßig einen Teil ihres Gewinns aus. Diese Gewinnausschüttung nennt man Dividende. Das führt dazu, dass im großen “Korb” deines ETFs im Laufe eines Jahres kontinuierlich riesige Summen an Dividenden von den ganzen enthaltenen Unternehmen eintrudeln.

Und genau an diesem Punkt müssen die Fondsgesellschaften (die Verwalter des ETFs, wie iShares Xtrackers oder Vanguard) eine strategische Grundsatzentscheidung treffen: Was tun wir mit diesem ganzen Geld aus den Dividenden? Wirft man es den ETF-Anlegern bar aufs Konto oder nutzt man es anderweitig? Diese Entscheidung teilt die gesamte ETF-Welt in zwei Hälften: die Thesaurierer und die Ausschütter.

Die große Frage: Was bedeutet thesaurierend?

Das Wort “thesaurierend” stammt im Ursprung aus dem Griechischen (“thesauros”) und dem Lateinischen (“thesaurus”). Wer schon einmal Englisch gelernt hat, kennt vielleicht den “Thesaurus” als eine Art Synonymwörterbuch oder Schatzkästchen der Sprache. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff schlichtweg „Schatzhaus“ oder „Schatzkammer“.

Im modernen Finanzbereich und ganz speziell im Zusammenhang mit Investmentfonds und ETFs bedeutet „Thesaurierung“ also das Ansammeln, Einbehalten oder Horten von Werten.

Wenn du dir einen thesaurierenden ETF in dein Depot kaufst, bedeutet das in der Praxis: Alle Dividenden und Zinserträge, die die Unternehmen deines Fonds im laufenden Jahr auszahlen, werden nicht in Form von Bargeld an dich auf dein Verrechnungskonto weitergeleitet. Stattdessen behält die Fondsgesellschaft das Geld innerhalb des Fonds (in der Schatzkammer).

Anstatt es ungenutzt herumliegen zu lassen, wird dieses Kapital direkt, vollautomatisch und für dich als Anleger komplett kostenlos wieder in neue Aktien desselben Index reinvestiert.

Ein einfaches Beispiel zur Veranschaulichung: Stell dir vor, du kaufst eine Apfelbaum-Plantage mit 10 Bäumen (Stellvertretend für deine ETF-Anteile). Nach einem Jahr tragen diese Bäume prachtvolle Äpfel (das sind die Dividenden). Anstatt die Äpfel zu pflücken und auf dem Markt für Bargeld zu verkaufen (Ausschüttung), entnimmst du den Äpfeln die Samen und pflanzt damit sofort neue kleine Apfelbäume. Im nächsten Jahr hast du dann schon vielleicht 11 Bäume, die wiederum mehr Äpfel abwerfen, wodurch im darauffolgenden Jahr noch mehr gepflanzt werden können. Deine Plantage wächst ganz von allein.

Genau nach diesem Prinzip funktioniert ein thesaurierender ETF. Er nimmt die Erträge, kauft davon sofort neue Aktien des Index nach, was den inneren Wert deines bestehenden ETF-Anteils stetig erhöht. Der Kurs des thesaurierenden ETFs wird im Laufe der Jahre also immer schneller steigen als der einer ansonsten identischen ausschüttenden Variante.

Der klassische Gegensatz: Ausschüttende ETFs

Die Kehrseite der Medaille stellt der ausschüttende ETF dar (oft auch als distributing bezeichnet). Bei dieser Variante läuft der Prozess genau umgekehrt.

Sobald die Unternehmen im Index ihre Dividenden an die Fondsgesellschaft zahlen, werden diese Gelder in einem Topf gesammelt. In fest definierten Abständen – oft quartalsweise, manchmal sogar monatlich oder nur einmal jährlich – wird dieser Topf geleert. Der ETF „schüttet das Geld aus“. Das bedeutet, dir wird der entsprechende Betrag direkt als harter Cashflow in Euro (oder Dollar) auf das Verrechnungskonto bei deiner Bank oder deinem Broker überwiesen.

Du hast das Geld nun in der Hand, kannst es dir auf dein Girokonto auszahlen lassen, damit essen gehen, in den Urlaub fliegen oder deine Stromrechnung bezahlen. Das nennt man passives Einkommen – du verdienst Geld, während du schläfst, ohne aktiv dafür arbeiten zu müssen.

Das klingt extrem verlockend, oder? Warum sollte man sich also überhaupt für thesaurierende ETFs entscheiden, wenn einem dadurch dieses tolle passive Taschengeld entgeht? Die Antwort darauf ist das wohl mächtigste Konstrukt der langfristigen Geldanlage: Der Zinseszinseffekt.

Der Zinseszinseffekt: Das mathematische Weltwunder

Es wird oft behauptet, Albert Einstein habe den Zinseszinseffekt als das „achte Weltwunder“ tituliert. Ob er das wirklich je gesagt hat, ist historisch stark umstritten. Was jedoch nicht umstritten ist, ist die immense Kraft, die dieses mathematische Phänomen über Zeit auf unser Vermögen ausübt.

Thesaurierende ETFs sind in der Finanzwelt aus einem einfachen Grund das Mittel der Wahl für den langfristigen, automatisierten Vermögensaufbau: Sie maximieren den Zinseszinseffekt perfekt.

Dadurch, dass der ETF die Dividenden direkt wieder in frische Aktienanteile anlegt, generieren im folgenden Jahr nicht nur deine ursprünglich investierten Euro neue Erträge (Dividenden und Kursgewinne), sondern auch das bereits aus dem Vorjahr wieder angelegte Kapital erwirtschaftet wiederum ganz eigene Renditen. Du verdienst Zinsen auf deine Zinsen.

Ein gewaltiges Rechenbeispiel

Lass uns das an konkreten Zahlen deutlich machen. Nehmen wir an, du investierst einmalig 10.000 Euro in einen weltweiten Aktien-ETF. Historisch betrachtet lag die Rendite des weltweiten Aktienmarktes langfristig bei etwa 7 % bis 8 % pro Jahr. Nehmen wir der Einfachheit halber eine Wertentwicklung von exakt 7 % jährlich an. Diese 7 % setzen sich gedanklich zusammen aus 5 % reinem Kursgewinn (die Aktien steigen im Wert) und 2 % Dividenden (die ausgeschüttet werden).

Szenario 1: Der ausschüttende ETF Du nutzt einen ausschüttenden Fonds und konsumierst die 2 % (also im ersten Jahr 200 Euro). Sie wandern in den privaten Konsum. Dein Fondsanteil hat am Jahresende nun den Kursgewinn (5 %) verbucht und steht bei 10.500 Euro. Du hast somit real einen Wertzuwachs auf dein angelegtes Geld von 5 %. Lassen wir das über 30 Jahre laufen. Dein investiertes Kapital im Depot (ohne die konsumierten Auszahlungen) ist nach 30 Jahren durch den Kursanstieg auf etwa 43.200 Euro gewachsen. Im Laufe der Jahre hast du zudem nach und nach die Dividenden verbraucht.

Szenario 2: Der thesaurierende ETF Dein thesaurierender Fonds nimmt die gesamten 7 % Gesamtrendite (5 % Kursanstieg + 2 % vom Fonds intern neu investierte Dividenden) und arbeitet damit weiter. Der Wert schwankt natürlich am Markt mit. Das Tolle: Im zweiten Jahr verzinste sich dein Kapital nun mit 7 % auf bereits 10.700 Euro. Im dritten Jahr auf 11.449 Euro, und so weiter. Die Kurve wächst nicht linear, sondern exponentiell. Nach genau denselben 30 Jahren, mit demselben Einstiegskapital von 10.000 Euro, weisen deine Anteile am ETF bei 7 % einen Wert von stolzen 76.122 Euro auf.

Der thesaurierende ETF hat durch das vollautomatische, ständige „Neu-Einsetzen“ von Kapital einen riesigen finanziellen Vorsprung erarbeitet, ohne dass du dich jemals bei deinem Broker einloggen, eine Taste drücken oder eine Wiederanlage-Forderung manuell ausführen (und dafür Orderspesen bezahlen!) musstest. Es passiert völlig geräuschlos im Hintergrund.

Wie erkenne ich einen thesaurierenden ETF? (Abkürzungen entschlüsselt)

Dieses Fachwissen bringt dir natürlich nur dann etwas, wenn du im Angebots-Dschungel deines Brokers auch verlässlich identifizieren kannst, welcher ETF nun was macht. Und wer die ETF-Suche bei Trade Republic, Scalable Capital, comdirect oder der ING das erste Mal öffnet, wird quasi erschlagen von endlos langen Namen wie Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Accumulating.

Ein gutes Indiz ist das Ende des Namens. Da ETFs internationale Finanzprodukte sind, tauchen deutsche Wörter wie “thesaurierend” dort aber fast nie auf. Vielmehr nutzt die Branche standardisierte englischsprachige Kürzel:

Kürzel für Thesaurierend (Wichtig!)

  • Acc: Dies ist die wichtigste und häufigste Abkürzung. Sie steht für das englische Accumulating (sammelnd / anhäufend). Steht ein “Acc” am Ende, ist es ein thesaurierender.
  • C: Einige Fondsgesellschaften, insbesondere französischen Ursprungs wie Amundi oder Lyxor, nutzen ein C (steht für Capitalisation).

Kürzel für Ausschüttend (Gegenspieler)

  • Dist / Dis / D: Die am weitesten verbreite Abkürzung für ausschüttende Fonds, abgeleitet vom englischen Distributing (verteilend / ausschüttend).
  • Inc: Abkürzung für Income (Einkommen). Diese ETFs sind darauf spezialisiert, dir einen Geldstrom zukommen zu lassen.

Falls der Fondsname auf den ersten Blick durch Kürzel nicht eindeutig ist, solltest du als letzte Kontrollinstanz in das Basisinformationsblatt des ETFs (oft PRIIP-KID geschrieben) oder das Factsheet (Einseitige ETF-Zusammenfassung) schauen. Dort gibt es immer einen Punkt, der „Ertragsverwendung“ (Use of Income) heißt. Darin steht unmissverständlich geschrieben, ob der Fonds Gewinne ausschüttet oder thesauriert.

Die Steuersituation in Deutschland: Vorabpauschale

Ein ausführlicher Ratgeber über das Thema Thesaurierung wäre unverantwortlich, wenn wir das Thema Steuern, explizit auf Deutschland bezogen, außer Acht lassen würden. Steuern treiben Einsteigern oft tiefen Angstschweiß auf die Stirn, aber das muss es nicht sein!

Bis vor einigen Jahren, genauer gesagt bis Ende 2017, waren thesaurierende ETFs im Deutschen Steuerrecht absolut überlegen. Warum? Wenn ein solcher Fonds seine Gewinne automatisch einbehielt, sah das Finanzamt “Kein echtes Geld auf deinem Konto – keine Steuerzahlungen”. Du konntest den Zinseszinseffekt also jahrzehntelang völlig ungestört von fiskalischem Zugriff laufen lassen, und musstest erst Steuern zahlen (die sogenannte Abgeltungssteuer in Höhe von knapp über 26 %), wenn du den ETF nach vielen Jahren tatsächlich mit Gewinn wieder restlos verkauft hast. Experten nannten das einen gigantischen “Steuerstundungseffekt”.

Der deutsche Fiskus hat diese Regelung als unfair zulasten des Staatshaushalts empfunden und das Investmentsteuerreformgesetz von 2018 eingeführt. Das absolute Monster-Wort in diesem Zusammenhang heißt seitdem: Die Vorabpauschale.

Was macht die Vorabpauschale?

Ganz einfach ausgedrückt versucht der Staat nun, sich jedes Jahr einen kleinen Vorschuss auf deine später anfallenden Steuern zu holen. Da ihm das Geld bei einem Thesaurierer entgeht, wird zu Jahresanfang vom Finanzamt ein fiktiver Gewinn berechnet, als hättest du eine Ausschüttung erhalten. Auf Basis des sogenannten Basiszinses der Bundesbank ermittelt der Fiskus diese Pauschale und fordert darauf die Kapitalertragsteuer von dir ein.

Da das Geld ja eigentlich im Fonds investiert ist, zieht dir dein Broker den fälligen Steuer-Betrag ganz real von deinem Euro-Verrechnungskonto ab. Bei thesaurierenden ETFs muss man also als Anleger zum Jahresbeginn (Januar/Februar) ein paar Euro auf dem Tagesgeld-Kontrollkonto beim Broker liegen haben, damit das Finanzamt zugreifen kann.

Viele Anleger verärgert das, weil es den Anlagekomfort einschränkt. Aber keine Panik, es gibt eine enorm starke Gegenwaffe des kleinen Sparers:

Der Sparer-Pauschbetrag

Aktuell (Stand 2024/2025) darf in Deutschland jede Einzelperson 1.000 Euro pro Jahr (Ehepaare 2.000 Euro) komplett steuerfrei an Zinsen, Dividenden oder Kursgewinnen durch Handel erzielen. Richtest du bei deiner Depotführenden Bank einen sogenannten Freistellungsauftrag (ein digitaler Auftrag in der App des Brokers) über diese 1.000 Euro ein, puffert dieser Freibetrag die fiese Vorabpauschale in aller Regel für Jahre (oft auch Jahrzehnte für Einsteiger) restlos ab.

Kurz: Bei kleineren Depotvolumen (etwa bis 40.000 – 60.000 Euro reingestecktem Vermögen, je nach Marktzinsen) rutscht die Vorabpauschale meist unter diesen 1.000 Euro Puffer durch und es kostet dich keinen echten Cent. Erst bei sehr hohen sechsstelligen Depots in stark steigenden Zinsphasen musst du merklich Steuern im Vorhinein abführen. Und wichtig: Wenn du den thesaurierenden ETF ganz am Ende deiner Laufzeit tatsächlich verkaufst, zieht das Finanzamt alle in den Vorjahren “vorab” erhobenen Pauschalen natürlich vom Endbetrag ab – es gibt keine Doppelbesteuerung!

Weitere schnelle Begriffs-Übersetzungen ohne Fachchinesisch

Um diesen Artikel abzurunden und dich vollständig gegen ETF-Bullshit-Bingo zu immunisieren, klären wir nach der “Thesaurierungs-Problematik” hier noch drei weitere Vokabeln, denen man regelmäßig am Stammtisch begegnet:

1. TER (Total Expense Ratio)

Diese drei Buchstaben bestimmen, wie teuer das Produkt für dich ist. TER bedeutet Gesamtkostenquote. Ein Standard S&P 500 oder MSCI World ETF hat heute meist nur eine TER zwischen 0,07 % und 0,22 % pro Jahr. Diese extrem niedrigen Kosten machen ETFs allen teuren Hausbankfonds (die oft 2,0 % bis 4,5 % aufrufen) so gnadenlos überlegen. Wichtig: Du musst diese TER nicht wie ein Abo bezahlen. Die Fondsgesellschaft zieht das still und heimlich im Laufe des Jahres direkt von der Fondsperformance ab. Das passiert völlig unsichtbar.

2. Physisch vs. Synthetisch

Dieser Punkt verrät dir die Replikationsmethode – wie baut der Fondsgesellschaftsdirektor die Aktien des Index im Hintergrund nach?

  • Physisch (voll replizierend) bedeutet: Der ETF kauft buchstäblich die echten Papiere. So klassisch, wie man es sich vorstellt. Das Geld fließt in physische Aktien von Amazon, Tesla, Nestlé & Co.
  • Synthetisch (Swap-basiert) heißt: Der Fonds kauft irgendwelche beliebigen Vermögenswerte als Sicherheit und schließt dann einen Vertrag (Swap oder Tauschgeschäft) mit einer riesigen Investmentbank ab. Die Bank garantiert dem Fonds vertraglich genau die Rendite des Aktienindexes. Klingt etwas komplizierter und birgt ein minimales Theorerisches Kontrahentenrisiko (dass die Tausch-Bank pleite geht), ist manchmal jedoch bei bestimmten Indizes steuerlich spürbar im Vorteil oder billiger.

3. Tracking Difference (TD)

Während die zuvor erklärte TER die Gebühren festhält, zeigt die TD (Abweichung zum abgebildeten Index), wie gut der ETF gearbeitet hat. Wenn ein MSC World im Jahr exakt 10,0 % gewachsen ist, ein bestimmter ETF auf denselben Bereich aber durch hohe Handelskosten nur um 9,6 % gestiegen ist, liegt die TD bei 0,4 %. In einigen sensationellen Fällen erwirtschaften Fondsgesellschaften jedoch durch schlaue Kniffe (etwa Wertpapierleihe von großen Beständen) Extra-Renditen. Die Tracking Difference rutscht ins Minus! Das klingt komisch, drückt aber schlichtweg aus: Der ETF hat nach Abzug sämtlicher Kosten mehr Rendite abgeworfen als der reine Index, an dem er gemessen wird.

Welche Strategie (und Abkürzung) passt nun zu deiner Anlage?

Theorie ist grandios, Praxis ist besser. Beenden wir die Definitions-Reise mit einer harten praktischen Handlungsanweisung. Wenn du jetzt vor deinem Broker sitzt: Thesaurierend oder doch Ausschüttend? Was ist nun “der richtige Weg” für den langfristigen ETF-Spaß? Werfen wir einen Blick auf klassische Anlegerprofile:

Anleger-Profil A: Der Vermögensaufbauer (Richtung Millionär-Mindset)

  • Demografie & Ziel: Du bist 18 bis 45 Jahre alt. Du bist beruflich fest integriert, sparst fleißig Geld für Urlaube und den Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto, hast aber noch 100 bis 400 Euro monatlich für deinen Aktien-Sparplan übrig. Dein vornehmliches Ziel? Geld für die Zukunft aufbauen. Altersvorsorge, FIRE (Financial Independence, Retire Early) oder in 20 Jahren das große Eigenkapital für eine Immobilie besitzen.
  • Entscheidung: Eindeutig ein thesaurierender (Acc) ETF Fokus. Dein Depot befindet sich in der Aufbauphase. Der maximale, ungestörte Zinseszinseffekt durch automatische Wiederanlage ohne Ordergebühren und steuerlichen Reibungsverlusten ist dein bester Freund. Jeder Cent, der im Fonds verbleibt, verzinst sich in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten auf exponentielle Weise und macht den echten Wohlstand aus.

Anleger-Profil B: Die psychologische Motivationssuche (Der Dividenden-Jäger)

  • Demografie & Ziel: Du hast Schwierigkeiten damit am Ball zu bleiben. Wenn du investierst, willst du kurzfristig sehen, dass “etwas passiert”. Monatelange Monotonie auf einer bloßen Depot-Zahl frustriert dich. An Zahlen glauben fällt dir schwer, du brauchst Gewinne greifbar.
  • Entscheidung: Für manche Menschen – trotz der mathematisch oftmals leicht schlechteren Endabrechnung – macht ein ausschüttender (Dist) ETF anfangs absolut Sinn. Die Emotion, wenn zum ersten Mal echte 35 Euro Dividende (Geld für völlig umsonst!) von hunderten Weltunternehmen auf das private Konto fließen, kann als enormer psychologischer Anker wirken und Menschen im Markt halten. Du verpasst etwas Zinseszins, aber du gewinnst unglaubliche Motivation, monatlich weiter einzuzahlen. Diesen emotionalen Aspekt sollte man bei der Geldanlage niemals unterschätzen.

Anleger-Profil C: Der Dividenden-Rentner an der Ziellinie (Passives Einkommen auf dem Sofa)

  • Demografie & Ziel: Du hast es geschafft. Dein Berufsleben ist vorbei oder du gehst mit Mitte 50 nur noch maximal Halbtags arbeiten. Du hast in den letzten 30 Jahren durch eiserne Spar-Disziplin ein ordentliches Vermögen, beispielsweise 300.000 bis 500.000 Euro, in Wertpapieren generiert. Dein Hauptziel nun ist es, mit diesem Kapital deinen Lebensstandard im Alter aufrechtzuerhalten, ohne permanent nervös ETF-Anteile verkaufen zu müssen, wenn die Börsen gerade crashen und im Minus notieren.
  • Entscheidung: Der ausschüttende Ansatz ist jetzt dein absoluter Held der Entnahmephase. Dein riesiger ETF-Berg schüttet dir bei konservativen 2 % Dividende jedes Jahr ca. 6.000 bis 10.000 Euro als planbaren Cashflow auf dein Girokonto aus. Du kannst damit deinen Lebensunterhalt finanzieren, die Inflation ausgleichen oder teure Urlaube genießen. Der Zinseszinseffekt maximieren steht für dich in diesem Lebensabschnitt nicht mehr im absoluten Fokus, sondern der stetige, nervenschonende Ernteprozess des hart Angesparten. Du bist am Ziel angekommen.

Fazit: Die Finanzen selbst in die Hand nehmen

Der Investment-Begriff thesaurierend ist ein absolut perfektes Paradebeispiel dafür, wie komplizierte Sprache einfache, teils geniale Zusammenhänge der Finanz-Industrie mystifiziert. Hinter der vermeintlichen Komplexität des Wortes steckt am Ende nichts anderes als das enorm effiziente, zeitsparende, vollautomatische und orderkostenfreie Wiederanlegen deiner gesammelten Börsengewinne direkt zurück in den bestehenden Fonds.

Für vernünftige Sparer und Privatanleger in der klassischen Aufbauphase ist dieser einfache Mechanismus essenziell und durch nichts zu ersetzen. Dein Geld produziert neues Zinsgeld, was im Folgejahr wiederum noch mehr Geld für dich erzeugt. Die Uhr tickt automatisch für dich. Indem du in den ETF-Suchmasken deines Brokers gezielt auf das kleine Label oder die Abkürzungen wie „Acc“ achtest und im Hintergrund mit einem soliden Freistellungsauftrag von derzeit tausend Euro die Thematik der in Deutschland fälligen Vorabpauschale sauber managst, verwandelst du kryptisches Fachchinesisch in ein extrem leistungsfähiges System, mit dem sich ein solider und langfristiger Beitrag zur eigenen Unabhängigkeit bewältigen lässt.

Gehe heute in dein Portfolio oder öffne deine Broker-App, durchschaue die verbliebenen Fachbegriffe und steuere ab sofort voller Überzeugung deinen persönlichen Zinseszinsturbo durch sinnvoll ausgewählte thesaurierende Wertpapiere. Du bist jetzt bestens gewappnet.

Häufige Fragen (FAQ)

Häufige Fragen

Was genau bedeutet das Wort thesaurierend?
Der Begriff kommt aus dem Griechischen (thesauros = Schatz) und bedeutet ansammeln. Bei einem thesaurierenden ETF werden alle Dividenden und Zinsen, die der Fonds von Unternehmen einnimmt, nicht an die Anleger ausgezahlt, sondern automatisch direkt in neue Aktien reinvestiert.
Woran erkenne ich einen thesaurierenden ETF im Depot?
Du erkennst thesaurierende ETFs meist direkt am Namen. Sehr häufig steht dort am Ende das Abkürzungs-Kürzel ‘Acc’, was für das englische Wort ‘accumulating’ (ansammelnd) steht. Ein weiteres häufiges Kürzel französischer Anbieter ist ‘C’ für Capitalisation.
Ist ein thesaurierender ETF besser als ein ausschüttender?
Das hängt allein vom Ziel ab. Wenn du langfristig Vermögen aufbauen willst, nutzen thesaurierende ETFs den Zinseszinseffekt optimal aus, da Gewinne sofort und kostenfrei reinvestiert werden. Suchst du hingegen ein rein passives Einkommen im Alter, sind ausschüttende ETFs besser geeignet.
Muss ich bei thesaurierenden ETFs in Deutschland Steuern zahlen?
Ja, durch die sogenannte Vorabpauschale werden auch bei thesaurierenden ETFs jährlich im Vorhinein Steuern fällig, um die ausbleibenden Dividenden auszugleichen. Diese können jedoch mit dem Sparer-Pauschbetrag (Freistellungsauftrag) von 1.000 Euro pro Person meist völlig abgedeckt werden.
Was passiert eigentlich mit den eingenommenen Dividenden im Fonds?
Die durch die einzelnen Unternehmen im Index ausgeschütteten Dividenden werden von der Fondsgesellschaft elektronisch gesammelt und stichtagsbezogen zum Kauf neuer Aktien aus dem exakt gleichen Vergleichsindex genutzt. Dein Fondsanteil steigt dadurch minimal im Wert gegenüber einer identischen ausschüttenden Variante.